Gedanken

Gedanken und Denkanstöße zu Fragen unserer Zeit – zwischen persönlicher Erfahrung, gesellschaftlicher Entwicklung und innerer Haltung.

  • Tagesgeld-Hopping: Ich kann es einfach nicht lassen

    Keine E-Mail. Keine Push-Nachricht. Nichts. Der Aktionszins bei der ING ist einfach ausgelaufen, und beinahe hätte ich es gar nicht bemerkt. Das Geld liegt schließlich weiterhin auf demselben Konto, es ist ja nichts kaputtgegangen. Nur der Zinssatz ist irgendwann leise von „ziemlich interessant“ auf „na ja“ gefallen – genauer gesagt auf mickrige 0,75 Prozent variabel, den ganz normalen Bestandskundenzins. Genau das ist das Perfide daran: Der attraktive Zins hat ein Ablaufdatum, mein Geld nicht.

    Bleistiftzeichnung eines sichtlich überforderten Mannes beim Tagesgeld-Hopping, umgeben von Laptops mit verschiedenen Zinssätzen, Notizen und Checklisten zu Tagesgeld, Banken und Zinsen.

    Also mal wieder Vergleichsportal öffnen. Und tatsächlich, die ING wirbt gerade mit 3,75 Prozent. Kurz freue ich mich – bis ich das Kleingedruckte lese. Die 3,75 Prozent gibt es nur auf „neues Geld“, und zwar auf Geld, das frisch von einer anderen Bank auf das Extra-Konto überwiesen wird. Mein Geld liegt aber schon bei der ING. Für mich also: nichts. Ich rufe trotzdem an, nur um sicherzugehen. Die Mitarbeiterin ist super freundlich und erklärt mir geduldig, dass ich schlicht nicht zur Zielgruppe der Aktion gehöre. An ihr liegt es nicht. Am Geschäftsmodell schon: Wer treu bleibt, bekommt 0,75 Prozent. Wer sein Geld hin und her schiebt, bekommt das Vier- oder gar Fünffache.

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  • Ehrenamt für den Frieden im Kleinen: Zehn Jahre Schiedsmann

    Manchmal beginnt Frieden nicht auf den großen Bühnen der Politik, sondern am Küchentisch. Dort, wo Nachbarn über Heckenhöhen streiten, wo Worte gefallen sind, die sich nicht zurückholen lassen, oder wo aus Kleinigkeiten plötzlich große Konflikte werden. Genau dort beginnt die Arbeit von mir als Schiedsmann im Ehrenamt.

    Vor kurzem wurde ich von der Bezirksvereinigung Dortmund des Bundes Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen für meine zehnjährige Tätigkeit als Schiedsmann geehrt. Für mich war das ein Anlass, zurückzuschauen – auf viele Begegnungen, schwierige Gespräche und auf erstaunlich viele Momente, in denen Verständigung doch möglich wurde.

    10 Jahre Schiedsmann im Ehrenamt: Bleistiftzeichnung von Jens Krömer mit Urkunde und Ehrennadel
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  • Linke Tasche, rechte Tasche: Was die neue Apothekenreform 2026 wirklich bringt

    Mehr Geld, mehr Aufgaben, mehr Möglichkeiten – und gleichzeitig ein Griff in dieselbe Kasse. Die Apothekenreform 2026 soll die Versorgung in Deutschland sichern. Sie löst aber nicht alle Probleme. Im Gegenteil: Manche ihrer Widersprüche werden erst auf den zweiten Blick sichtbar.

    Wer morgens sein Rezept in der Apotheke einlöst, bekommt von der großen Gesundheitspolitik normalerweise wenig mit. Man geht hinein, legt die elektronische Gesundheitskarte vor, bekommt sein Medikament – und geht wieder nach Hause.

    Doch hinter dem Verkaufstresen, den mit der Sache vertraute Menschen NIEMALS (!) so nennen würden, – wir sprechen vom HV-Tisch – verändert sich gerade einiges.

    Mit dem Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) hat der Bundestag in diesem Jahr eine umfassende Reform beschlossen. Sie ist seit dem 1. Juli 2026 in Kraft.

    Das erklärte Ziel: Vor-Ort-Apotheken stärken, die Versorgung insbesondere auf dem Land sichern und Apotheken neue Aufgaben geben. Das ist grundsätzlich eine gute Nachricht.

    Nur: Bei genauerem Hinsehen entsteht ein bemerkenswertes Bild.

    Die Apotheke bekommt mehr Möglichkeiten – und gleichzeitig wird ihr an anderer Stelle wieder Geld entzogen.

    Oder, etwas zugespitzter:

    Linke Tasche, rechte Tasche.

    „Linke Tasche, rechte Tasche“: Die Apothekenreform 2026 erhöht das Fixhonorar, gleichzeitig wird der Apothekenabschlag angehoben. Die Karikatur bringt den Widerspruch der Reform auf den Punkt.

    Heute ist die neue Ausgabe von „Kammer im Gespräch“ erschienen. Auf der letzten Seite haben wir diese schöne Karikatur von Mirco Tomicek veröffentlicht – zusammen mit einem Kommentar, auf den ich im weiteren Verlauf dieses Beitrags im Tagebuch noch indirekt eingehen werde, wenn ich über die Vor- und Nachteile der Apothekenreform 2026 zu sprechen komme…

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  • Wohnen ohne Spekulation? Warum Wohnungsbaugenossenschaften eine ziemlich gute Idee sind

    Es gibt beim Wohnen bekanntlich drei Möglichkeiten: Man kann mieten, man kann kaufen – oder man wählt die Option dazwischen. In diesem Tagebuch-Eintrag soll’s um die Vorteile einer Mitgliedschaft in einer Wohnungsbaugenossenschaft gehen.

    Die dritte Möglichkeit führt in Deutschland erstaunlicherweise ein wenig ein Schattendasein. Dabei verbindet genossenschaftliches Wohnen einige Vorzüge, die man bei den beiden anderen Wohnformen vergeblich in dieser Kombination sucht: Sicherheit wie beim Eigentum, vergleichsweise wenig Kapitalbindung, demokratische Mitbestimmung und – jedenfalls dem Anspruch nach – eine Wohnungswirtschaft, die nicht in erster Linie die Rendite des eingesetzten Kapitals maximiert.

    Bleistiftzeichnung von Jens Krömer, der nachdenklich mit der Hand am Kinn vor einer Wohnanlage steht. Im Hintergrund sind begrünte Wohngebäude mit Balkonen sowie der Schriftzug „Gemeinsam gut wohnen“ und ein Hinweis auf Wohnungsbaugenossenschaften zu sehen.

    Ich schreibe das nicht nur aus theoretischem Interesse. Ich bin selbst Mitglied der Spar- und Bauverein eG in Dortmund und engagiere mich dort als Vertreter. Bei der Vertreterwahl in diesem Jahr bin ich erneut gewählt worden.

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  • Fußball spricht alle Sprachen – meine Erfahrungen als Volunteer bei der EURO 2024 in Dortmund

    Wenn ich heute auf die EM vor zwei Jahren zurückblicke, denke ich nicht zuerst an Ergebnisse oder Tabellen. Ich denke an Menschen. An Gespräche. An Begegnungen. Und an die Erkenntnis, dass Fußball tatsächlich eine Sprache ist, die jeder versteht. Denn als Volunteer bei der UEFA EURO 2024 in Dortmund war ich vor zwei Jahren hautnah dabei.

    In Dortmund traf ich auf Gäste aus aller Welt – aus Frankreich, Italien, Albanien, Portugal, der Türkei, aus Spanien und Dänemark – und viele weitere Nationen. Manche kamen mit perfekten Englischkenntnissen, andere mit Händen und Füßen. Aber irgendwie hat die Kommunikation immer funktioniert. Und ganz nebenbei konnte ich meine eigenen Fremdsprachenkenntnisse wieder ordentlich auffrischen.

    UEFA EURO 2024 Volunteer im Stadion Dortmund – Bleistiftzeichnung mit zarter Pastell-Buntstiftkolorierung eines Volunteers vor dem Spielfeld

    Mega-Stimmung trotz extremer Regenfälle

    Was mich besonders beeindruckt hat: die friedliche Stimmung. So viele Nationen auf engem Raum, so viele Emotionen – und trotzdem war es vor allem ein großes, gemeinsames Fest des Sports.

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  • Carsten, die Reinigungskraft: Grammatisches Geschlecht und Gendern

    Ein kleiner Grammatikfehler in einer U-Bahn-Station in Dortmund – und die große Debatte über das Gendern. An einer Haltestelle von DSW21 bin ich über ein Plakat gestolpert. Darauf lächelt Carsten, Reinigungskraft bei den Dortmunder Stadtwerken, sympathisch in die Kamera. Die Botschaft:

    „Carsten macht Bahnsteige blitzblank.“

    Klasse! Extrem einnehmendes Testimonial, beste Botschaft. Darunter steht:

    „Carsten ist einer unserer Reinigungskräfte, die 110.000 m² Bahnhofs­boden sauber machen.“

    Nachdenklicher Mann (Blog-Autor Jens Krömer) betrachtet auf einem Dortmunder Bahnsteig ein DSW21-Plakat über die Reinigungskraft Carsten mit dem grammatisch falschen Satz „Carsten ist einer unserer Reinigungskräfte“.

    Ohne oberlehrerhaft klingen zu wollen, aber: Das ist falsch. Richtig müsste es heißen:

    „Carsten ist eine unserer Reinigungskräfte …“

    Offenbar hatte damit aber jemand ein Störgefühl. Denn ich vermute einfach mal, dass dieser Fehler nicht zufällig entstanden ist. Genau darum geht’s in diesem Tagebuch-Eintrag.

    Carsten ist ein Mann. „Eine Reinigungskraft“ ist aber kein Mann

    „Reinigungskraft“ ist grammatisch feminin:

    die Reinigungskraft

    Deshalb heißt es:

    eine unserer Reinigungskräfte

    und nicht:

    einer unserer Reinigungskräfte.

    Das hat zunächst einmal überhaupt nichts mit dem Geschlecht von Carsten zu tun.

    Deutsch unterscheidet nämlich zwischen grammatischem Genus und biologischem bzw. sozialem Geschlecht. Das Wort Reinigungskraft ist feminin – unabhängig davon, ob die Reinigungskraft Carsten, Claudia oder eine Person mit einem anderen Geschlecht ist.

    Wir akzeptieren diese Konstruktion sonst völlig selbstverständlich:

    Peter ist eine echte Koryphäe. Ohne R.
    Helmut Schmidt war eine große Persönlichkeit. Ohne R.
    Vielleicht auch gerade noch: Michael ist eine unserer besten Lehrkräfte.

    Niemand glaubt deshalb, Peter, Kanzler Schmidt oder Michael seien Frauen.

    Warum also hat bei diesem Plakat offenbar jemand innegehalten?

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  • Wer ist Autor bei KI? Urheberschaft zwischen Recht, Forschung und Kommunikationsethik

    Als ich gelernt habe, Kommunikation zu verstehen, war die Welt noch relativ einfach: Es gab einen Sender, eine Botschaft und einen Empfänger. Dieses klassische Modell beruhte auf einer stillschweigenden Annahme: Hinter jeder Botschaft steht ein Mensch. Doch generative KI stellt diese Grundannahme seit einiger Zeit ernsthaft infrage. Wenn ein Text von einer Maschine erzeugt wird, verschwimmt die klassische Vorstellung von Autorschaft. Die Frage ist deshalb nicht nur technisch oder juristisch. Sie ist zutiefst philosophisch: Kann es Kommunikation ohne Autor geben – oder nur neue Formen von Autorschaft?

    Die Frage nach der Urheberschaft von KI-Texten wirkt zunächst wie ein Spezialproblem des Urheberrechts. Tatsächlich berührt sie jedoch einen Kern der Kommunikationswissenschaft und weiterer Disziplinen auch: die Frage, wer überhaupt als Absender von Kommunikation gelten kann.

    Bleistiftzeichnung von Jens Krömer, der über Urheberschaft und KI nachzudenken scheint
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  • Der Wal und wir – über Mitgefühl, Medien und die Frage nach den richtigen Prioritäten

    Seit Tagen beherrscht ein Wal in der Ostsee die Schlagzeilen. Ein Fall, der Medienkritik geradezu provoziert. Nachrichtensendungen berichten in Sonderschalten, Zeitungen veröffentlichen Live-Ticker, Experten werden interviewt, Drohnenbilder analysiert. Ein gestrandeter Meeressäuger in der Ostsee – ein Ereignis, das zweifellos ungewöhnlich ist. Aber ist es auch ein Ereignis, das diese enorme mediale Aufmerksamkeit rechtfertigt? Diese Frage ist weniger eine Frage über einen Wal. Es ist eine Frage über uns.

    Denn während Kamerateams am Strand stehen, sterben anderswo Menschen in Kriegen, geraten Demokratien unter Druck, kämpfen Familien mit steigenden Lebenshaltungskosten oder mit ganz persönlichen Krisen.

    Kreidezeichnung eines nachdenklichen Mannes, der am Strand der Ostsee Zeitung liest, während im Hintergrund ein Wal im Wasser liegt, Schaulustige zusehen und ein Schlauchboot kreist – symbolische Darstellung von Medienkritik

    Natürlich kann man argumentieren: Die Welt besteht nicht nur aus Katastrophen. Menschen brauchen auch Geschichten, die berühren. Geschichten, die Mitgefühl auslösen. Geschichten, die uns daran erinnern, dass wir noch fühlen können.

    Aber vielleicht liegt genau hier das Problem.

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  • Eisbergmodell: Warum Konflikte selten an der Oberfläche entstehen

    Konflikte – ob privat oder im Beruf – erscheinen oft sachlich: Aussagen, Positionen, Zahlen und Fakten. Doch wer nur auf diese sichtbare Ebene schaut, sieht meist nur die Spitze des Eisbergs. Der größere Teil eines Konflikts liegt unter der Oberfläche – unsichtbar, unbewusst und dennoch wirksam. Genau hier setzt das Eisbergmodell der Kommunikation an.

    Als PR-Berater und ehrenamtlicher Schiedsmann in der außergerichtlichen Streitschlichtung gehört der professionelle Umgang mit solchen Dynamiken zu meiner täglichen Praxis. Die Theorie hilft mir, Verständnis für die Sichtweisen der Beteiligten zu schaffen und festgefahrene Positionen besser zu verstehen. Die Metapher geht unter anderem auf Ernest Hemingway zurück.

    Eisbergmodell: Mann steht am Bug eines Schiffes und zeigt auf einen Eisberg mit großem unsichtbaren Teil unter der Wasseroberfläche als Symbol für verborgene Konflikte. Als Bleistiftzeichnung.

    In der Kommunikationspsychologie wird sie häufig mit psychoanalytischen Ansätzen (u. a. Freud) verbunden. Das Modell wird zudem häufig mit dem Pareto-Prinzip verglichen.

    Sichtbar ist wenig – wirksam ist viel

    Die sichtbare Ebene umfasst das, was Menschen sagen oder tun: Verhalten, Argumente, Forderungen, teils auch Positionen. Dieser Teil macht jedoch nur einen kleinen Anteil der Kommunikation aus. Unter der Oberfläche liegen Erwartungen, Gefühle, Motive, Bedürfnisse, Werte, Ängste oder biografische Erfahrungen. Sie bestimmen, wie Menschen reagieren – oft ohne dass sie es selbst merken.

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  • Riester-Nachfolger: Warum Gutverdiener bei der neuen Altersvorsorge steuerlich verlieren könnten

    Riester-Nachfolger Altersvorsorgedepot: Die Bundesregierung plant einen grundlegenden Neustart der privaten Altersvorsorge. Die Riester-Rente soll ab 2027 faktisch durch ein neues Altersvorsorgedepot ersetzt werden. Heute berät der Bundestag darüber. Weniger Bürokratie, mehr Kapitalmarkt, geringere Kosten – so lautet das politische Versprechen. Doch während die öffentliche Diskussion vor allem die Vorteile für Geringverdiener hervorhebt, zeigt ein genauer Blick auf die steuerliche Konstruktion ein differenzierteres Bild: Für Gutverdiener könnte die Reform durchaus an Attraktivität verlieren. Der Grund liegt weniger in der Höhe der Förderung als in ihrer Systematik.

    Illustration zur Riester-Reform: Vergleich von ETF, Riester-Rente und neuem Altersvorsorgedepot

    Altersvorsorgedepot: Einfacher aufgebaut – anders gewichtet

    Das neue Vorsorgedepot soll zentrale Schwächen der Riester-Rente beseitigen. Geplant sind niedrigere Produktkosten, eine stärkere Ausrichtung auf Wertpapieranlagen und ein vereinfachtes Fördersystem. Zudem soll der Zugang für Selbstständige erleichtert werden.

    Die Förderung verschiebt sich dabei deutlich in Richtung Zulagen. Kleinere Sparbeiträge sollen prozentual stärker unterstützt werden als bisher. Politisch ist das gewollt: Die staatliche Förderung soll breiter wirken und weniger stark an das Einkommen gekoppelt sein.

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