Kommunikation

Kommunikation prägt unser Zusammenleben. Beiträge über Dialog, Verständigung, Medien und den Austausch in Kirche und Gesellschaft. Immer aus dem Blick eines Freien Journalisten und PR-Beraters.

  • Wer ist Autor bei KI? Urheberschaft zwischen Recht, Forschung und Kommunikationsethik

    Als ich gelernt habe, Kommunikation zu verstehen, war die Welt noch relativ einfach: Es gab einen Sender, eine Botschaft und einen Empfänger. Dieses klassische Modell beruhte auf einer stillschweigenden Annahme: Hinter jeder Botschaft steht ein Mensch. Doch generative KI stellt diese Grundannahme seit einiger Zeit ernsthaft infrage. Wenn ein Text von einer Maschine erzeugt wird, verschwimmt die klassische Vorstellung von Autorschaft. Die Frage ist deshalb nicht nur technisch oder juristisch. Sie ist zutiefst philosophisch: Kann es Kommunikation ohne Autor geben – oder nur neue Formen von Autorschaft?

    Die Frage nach der Urheberschaft von KI-Texten wirkt zunächst wie ein Spezialproblem des Urheberrechts. Tatsächlich berührt sie jedoch einen Kern der Kommunikationswissenschaft und weiterer Disziplinen auch: die Frage, wer überhaupt als Absender von Kommunikation gelten kann.

    Bleistiftzeichnung von Jens Krömer, der über Urheberschaft und KI nachzudenken scheint
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  • Der Wal und wir – über Mitgefühl, Medien und die Frage nach den richtigen Prioritäten

    Seit Tagen beherrscht ein Wal in der Ostsee die Schlagzeilen. Ein Fall, der Medienkritik geradezu provoziert. Nachrichtensendungen berichten in Sonderschalten, Zeitungen veröffentlichen Live-Ticker, Experten werden interviewt, Drohnenbilder analysiert. Ein gestrandeter Meeressäuger in der Ostsee – ein Ereignis, das zweifellos ungewöhnlich ist. Aber ist es auch ein Ereignis, das diese enorme mediale Aufmerksamkeit rechtfertigt? Diese Frage ist weniger eine Frage über einen Wal. Es ist eine Frage über uns.

    Denn während Kamerateams am Strand stehen, sterben anderswo Menschen in Kriegen, geraten Demokratien unter Druck, kämpfen Familien mit steigenden Lebenshaltungskosten oder mit ganz persönlichen Krisen.

    Kreidezeichnung eines nachdenklichen Mannes, der am Strand der Ostsee Zeitung liest, während im Hintergrund ein Wal im Wasser liegt, Schaulustige zusehen und ein Schlauchboot kreist – symbolische Darstellung von Medienkritik

    Natürlich kann man argumentieren: Die Welt besteht nicht nur aus Katastrophen. Menschen brauchen auch Geschichten, die berühren. Geschichten, die Mitgefühl auslösen. Geschichten, die uns daran erinnern, dass wir noch fühlen können.

    Aber vielleicht liegt genau hier das Problem.

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  • Eisbergmodell: Warum Konflikte selten an der Oberfläche entstehen

    Konflikte – ob privat oder im Beruf – erscheinen oft sachlich: Aussagen, Positionen, Zahlen und Fakten. Doch wer nur auf diese sichtbare Ebene schaut, sieht meist nur die Spitze des Eisbergs. Der größere Teil eines Konflikts liegt unter der Oberfläche – unsichtbar, unbewusst und dennoch wirksam. Genau hier setzt das Eisbergmodell der Kommunikation an.

    Als PR-Berater und ehrenamtlicher Schiedsmann in der außergerichtlichen Streitschlichtung gehört der professionelle Umgang mit solchen Dynamiken zu meiner täglichen Praxis. Die Theorie hilft mir, Verständnis für die Sichtweisen der Beteiligten zu schaffen und festgefahrene Positionen besser zu verstehen. Die Metapher geht unter anderem auf Ernest Hemingway zurück.

    Eisbergmodell: Mann steht am Bug eines Schiffes und zeigt auf einen Eisberg mit großem unsichtbaren Teil unter der Wasseroberfläche als Symbol für verborgene Konflikte. Als Bleistiftzeichnung.

    In der Kommunikationspsychologie wird sie häufig mit psychoanalytischen Ansätzen (u. a. Freud) verbunden. Das Modell wird zudem häufig mit dem Pareto-Prinzip verglichen.

    Sichtbar ist wenig – wirksam ist viel

    Die sichtbare Ebene umfasst das, was Menschen sagen oder tun: Verhalten, Argumente, Forderungen, teils auch Positionen. Dieser Teil macht jedoch nur einen kleinen Anteil der Kommunikation aus. Unter der Oberfläche liegen Erwartungen, Gefühle, Motive, Bedürfnisse, Werte, Ängste oder biografische Erfahrungen. Sie bestimmen, wie Menschen reagieren – oft ohne dass sie es selbst merken.

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  • Welche Skills Kommunikatoren heute wirklich brauchen – jenseits der Stellenanzeigen

    Wenn man aktuelle Stellenanzeigen in der Kommunikation liest, entsteht ein klares Bild: Gesucht werden eierlegende Wollmilchsäue. Strategisch denkend, digital versiert, KI-affin, krisenfest, empathisch, durchsetzungsstark, international erfahren – und bitte mit zehn Jahren Berufserfahrung für eine Position, die es erst seit fünf Jahren gibt.

    Doch die spannendere Frage ist vielleicht gar nicht, welche Skills in Anzeigen stehen. Sondern welche Fähigkeiten im Alltag wirklich den Unterschied machen.

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  • 10.000 protestieren für höheres Apotheken-Honorar auf dem Burgplatz in Düsseldorf

    Was für ein Apothekenprotest in Düsseldorf: Dass den Apotheken wirtschaftlich das Wasser bis zum Hals steht, hat Moderator Sebastian Berges auf der Bühne mehrfach gesagt. Dass sich aber tatsächlich rund 10.000 Menschen aus Apothekenteams auf dem Düsseldorfer Burgplatz versammelt haben, war sicher selbst für den Vize-Vorsitzenden des Apothekerverbandes Nordrhein ein beeindruckendes Bild. Besser als erwartet.

    Apothekenprotest Düsseldorf: Mehr als 10.000 Menschen protestierten friedlich für besseres Honorar. Bleistiftzeichnung von der Situation, mit dem Düsseldorfer Fernsehturm im Hintergrund

    Weiße Kittel, Trillerpfeifen und klare Botschaften auf Plakaten: Das war kein symbolischer Protest. Das war eine sehr konkrete Botschaft nach Berlin.

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  • Apothekenprotest am 23. März: Hintergründe und Perspektive eines Kammer-Sprechers

    Am Montag, 23. März 2026, sind in mehreren deutschen Städten Protestaktionen von Apothekerinnen und Apothekern angekündigt, unter anderem in Berlin, Düsseldorf, Hannover und München. Organisiert werden diese Aktionen von den Apothekerverbänden auf Landesebene. Die Kammern – so auch die Apothekerkammer Nordrhein – sind daran in der Regel nicht direkt beteiligt. Diese klare Trennung der Zuständigkeiten ist vielen außerhalb des Berufsstandes nicht immer bekannt. Bevor ich auf die Unterschiede zwischen Kammern und Verbänden eingehe, lohnt zunächst ein Blick auf die Gründe für den Protest.

    Bleistiftzeichnung eines Apothekenprotests auf dem Burgplatz in Düsseldorf: Ein Mann spricht mit drei Journalisten, während im Hintergrund Apothekerinnen und Apotheker in weißen Kitteln Protestschilder mit dem Apotheken-A vor einer Bühne halten.
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  • KI braucht Regeln. Aber welche eigentlich? Ein Denkanstoß aus der brand eins

    Wer aktuell in Unternehmen mit KI arbeitet, kennt die Diskussionen: Brauchen wir KI-Guidelines? Was darf erlaubt sein? Was nicht? Wie gehen wir mit Risiken um? Wer trägt Verantwortung?

    Was auf den ersten Blick wie eine klassische Change-Management-Frage aussieht, entpuppt sich in der Praxis schnell als deutlich komplexer. Denn Veränderungen und Kommunikation derselben haben es in Organisationen bekanntlich selten leicht. Neue Prozesse, neue Werkzeuge, neue Regeln – all das bedeutet Unsicherheit.

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  • Im Zweifel für die Schlagzeile? Über mediale Vorverurteilung – und die Verantwortung, die wir selbst tragen

    Der Prozess gegen Marius Borg Høiby ist noch nicht entschieden. Das Urteil steht aus. Und trotzdem entsteht beim Lesen vieler Berichte bereits ein ziemlich klares Bild davon, wer hier Täter und wer Opfer ist, wer glaubwürdig erscheint und wer nicht. Das ist verständlich. Aber genau darin liegt auch ein Problem.

    Denn Strafprozesse sind nicht auf den Gerichtssaal begrenzt. Sie finden auch in der Öffentlichkeit statt. Und manchmal – das ist die unbequeme Wahrheit – beginnen sie dort schon sehr viel früher. Ich weiß das auch deshalb so genau, weil ich selbst lange Teil dieses Systems war.

    Vorverurteilung in den Medien: Ein Beitrag von Jens Krömer aus Dortmund

    Der Sog der Dramaturgie

    Wenn man über Strafverfahren berichtet, gerät man schnell in eine journalistische Dramaturgie, die fast automatisch entsteht. Es gibt einen Vorwurf, ein mutmaßliches Opfer. Es gibt einen Beschuldigten. Und spätestens mit der Anklage gibt es Details, die Aufmerksamkeit erzeugen. Und es gibt eine Öffentlichkeit, die Antworten will.

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