Konflikte – ob privat oder im Beruf – erscheinen oft sachlich: Aussagen, Positionen, Zahlen und Fakten. Doch wer nur auf diese sichtbare Ebene schaut, sieht meist nur die Spitze des Eisbergs. Der größere Teil eines Konflikts liegt unter der Oberfläche – unsichtbar, unbewusst und dennoch wirksam. Genau hier setzt das Eisbergmodell der Kommunikation an.
Als PR-Berater und ehrenamtlicher Schiedsmann in der außergerichtlichen Streitschlichtung gehört der professionelle Umgang mit solchen Dynamiken zu meiner täglichen Praxis. Die Theorie hilft mir, Verständnis für die Sichtweisen der Beteiligten zu schaffen und festgefahrene Positionen besser zu verstehen. Die Metapher geht unter anderem auf Ernest Hemingway zurück.

In der Kommunikationspsychologie wird sie häufig mit psychoanalytischen Ansätzen (u. a. Freud) verbunden. Das Modell wird zudem häufig mit dem Pareto-Prinzip verglichen.
Sichtbar ist wenig – wirksam ist viel
Die sichtbare Ebene umfasst das, was Menschen sagen oder tun: Verhalten, Argumente, Forderungen, teils auch Positionen. Dieser Teil macht jedoch nur einen kleinen Anteil der Kommunikation aus. Unter der Oberfläche liegen Erwartungen, Gefühle, Motive, Bedürfnisse, Werte, Ängste oder biografische Erfahrungen. Sie bestimmen, wie Menschen reagieren – oft ohne dass sie es selbst merken.
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