Recht & Justiz

  • Wer ist Autor bei KI? Urheberschaft zwischen Recht, Forschung und Kommunikationsethik

    Als ich gelernt habe, Kommunikation zu verstehen, war die Welt noch relativ einfach: Es gab einen Sender, eine Botschaft und einen Empfänger. Dieses klassische Modell beruhte auf einer stillschweigenden Annahme: Hinter jeder Botschaft steht ein Mensch. Doch generative KI stellt diese Grundannahme seit einiger Zeit ernsthaft infrage. Wenn ein Text von einer Maschine erzeugt wird, verschwimmt die klassische Vorstellung von Autorschaft. Die Frage ist deshalb nicht nur technisch oder juristisch. Sie ist zutiefst philosophisch: Kann es Kommunikation ohne Autor geben – oder nur neue Formen von Autorschaft?

    Die Frage nach der Urheberschaft von KI-Texten wirkt zunächst wie ein Spezialproblem des Urheberrechts. Tatsächlich berührt sie jedoch einen Kern der Kommunikationswissenschaft und weiterer Disziplinen auch: die Frage, wer überhaupt als Absender von Kommunikation gelten kann.

    Bleistiftzeichnung von Jens Krömer, der über Urheberschaft und KI nachzudenken scheint
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  • Im Zweifel für die Schlagzeile? Über mediale Vorverurteilung – und die Verantwortung, die wir selbst tragen

    Der Prozess gegen Marius Borg Høiby ist noch nicht entschieden. Das Urteil steht aus. Und trotzdem entsteht beim Lesen vieler Berichte bereits ein ziemlich klares Bild davon, wer hier Täter und wer Opfer ist, wer glaubwürdig erscheint und wer nicht. Das ist verständlich. Aber genau darin liegt auch ein Problem.

    Denn Strafprozesse sind nicht auf den Gerichtssaal begrenzt. Sie finden auch in der Öffentlichkeit statt. Und manchmal – das ist die unbequeme Wahrheit – beginnen sie dort schon sehr viel früher. Ich weiß das auch deshalb so genau, weil ich selbst lange Teil dieses Systems war.

    Vorverurteilung in den Medien: Ein Beitrag von Jens Krömer aus Dortmund

    Der Sog der Dramaturgie

    Wenn man über Strafverfahren berichtet, gerät man schnell in eine journalistische Dramaturgie, die fast automatisch entsteht. Es gibt einen Vorwurf, ein mutmaßliches Opfer. Es gibt einen Beschuldigten. Und spätestens mit der Anklage gibt es Details, die Aufmerksamkeit erzeugen. Und es gibt eine Öffentlichkeit, die Antworten will.

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