Seit Tagen beherrscht ein Wal in der Ostsee die Schlagzeilen. Ein Fall, der Medienkritik geradezu provoziert. Nachrichtensendungen berichten in Sonderschalten, Zeitungen veröffentlichen Live-Ticker, Experten werden interviewt, Drohnenbilder analysiert. Ein gestrandeter Meeressäuger in der Ostsee – ein Ereignis, das zweifellos ungewöhnlich ist. Aber ist es auch ein Ereignis, das diese enorme mediale Aufmerksamkeit rechtfertigt? Diese Frage ist weniger eine Frage über einen Wal. Es ist eine Frage über uns.
Denn während Kamerateams am Strand stehen, sterben anderswo Menschen in Kriegen, geraten Demokratien unter Druck, kämpfen Familien mit steigenden Lebenshaltungskosten oder mit ganz persönlichen Krisen.

Natürlich kann man argumentieren: Die Welt besteht nicht nur aus Katastrophen. Menschen brauchen auch Geschichten, die berühren. Geschichten, die Mitgefühl auslösen. Geschichten, die uns daran erinnern, dass wir noch fühlen können.
Aber vielleicht liegt genau hier das Problem.
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