Krisenkommunikation

  • Eisbergmodell: Warum Konflikte selten an der Oberfläche entstehen

    Konflikte – ob privat oder im Beruf – erscheinen oft sachlich: Aussagen, Positionen, Zahlen und Fakten. Doch wer nur auf diese sichtbare Ebene schaut, sieht meist nur die Spitze des Eisbergs. Der größere Teil eines Konflikts liegt unter der Oberfläche – unsichtbar, unbewusst und dennoch wirksam. Genau hier setzt das Eisbergmodell der Kommunikation an.

    Als PR-Berater und ehrenamtlicher Schiedsmann in der außergerichtlichen Streitschlichtung gehört der professionelle Umgang mit solchen Dynamiken zu meiner täglichen Praxis. Die Theorie hilft mir, Verständnis für die Sichtweisen der Beteiligten zu schaffen und festgefahrene Positionen besser zu verstehen. Die Metapher geht unter anderem auf Ernest Hemingway zurück.

    Eisbergmodell: Mann steht am Bug eines Schiffes und zeigt auf einen Eisberg mit großem unsichtbaren Teil unter der Wasseroberfläche als Symbol für verborgene Konflikte. Als Bleistiftzeichnung.

    In der Kommunikationspsychologie wird sie häufig mit psychoanalytischen Ansätzen (u. a. Freud) verbunden. Das Modell wird zudem häufig mit dem Pareto-Prinzip verglichen.

    Sichtbar ist wenig – wirksam ist viel

    Die sichtbare Ebene umfasst das, was Menschen sagen oder tun: Verhalten, Argumente, Forderungen, teils auch Positionen. Dieser Teil macht jedoch nur einen kleinen Anteil der Kommunikation aus. Unter der Oberfläche liegen Erwartungen, Gefühle, Motive, Bedürfnisse, Werte, Ängste oder biografische Erfahrungen. Sie bestimmen, wie Menschen reagieren – oft ohne dass sie es selbst merken.

    (mehr …)
  • Welche Skills Kommunikatoren heute wirklich brauchen – jenseits der Stellenanzeigen

    Wenn man aktuelle Stellenanzeigen in der Kommunikation liest, entsteht ein klares Bild: Gesucht werden eierlegende Wollmilchsäue. Strategisch denkend, digital versiert, KI-affin, krisenfest, empathisch, durchsetzungsstark, international erfahren – und bitte mit zehn Jahren Berufserfahrung für eine Position, die es erst seit fünf Jahren gibt.

    Doch die spannendere Frage ist vielleicht gar nicht, welche Skills in Anzeigen stehen. Sondern welche Fähigkeiten im Alltag wirklich den Unterschied machen.

    (mehr …)
  • Im Zweifel für die Schlagzeile? Über mediale Vorverurteilung – und die Verantwortung, die wir selbst tragen

    Der Prozess gegen Marius Borg Høiby ist noch nicht entschieden. Das Urteil steht aus. Und trotzdem entsteht beim Lesen vieler Berichte bereits ein ziemlich klares Bild davon, wer hier Täter und wer Opfer ist, wer glaubwürdig erscheint und wer nicht. Das ist verständlich. Aber genau darin liegt auch ein Problem.

    Denn Strafprozesse sind nicht auf den Gerichtssaal begrenzt. Sie finden auch in der Öffentlichkeit statt. Und manchmal – das ist die unbequeme Wahrheit – beginnen sie dort schon sehr viel früher. Ich weiß das auch deshalb so genau, weil ich selbst lange Teil dieses Systems war.

    Vorverurteilung in den Medien: Ein Beitrag von Jens Krömer aus Dortmund

    Der Sog der Dramaturgie

    Wenn man über Strafverfahren berichtet, gerät man schnell in eine journalistische Dramaturgie, die fast automatisch entsteht. Es gibt einen Vorwurf, ein mutmaßliches Opfer. Es gibt einen Beschuldigten. Und spätestens mit der Anklage gibt es Details, die Aufmerksamkeit erzeugen. Und es gibt eine Öffentlichkeit, die Antworten will.

    (mehr …)