Ein ETF reicht nicht: Warum Diversifikation mehr ist als MSCI World

Der MSCI World ETF gilt für viele Privatanleger als der heilige Gral der Geldanlage: einmal investieren, liegen lassen, fertig. So einfach ist es aber nicht. Denn wer genauer hinschaut, merkt schnell: Der MSCI World ist zwar breit aufgestellt – aber eben nicht wirklich global diversifiziert.

Um Diversifikation mit dem MSCI World zu erreichen, muss man keinen Spagat machen. Bleistiftzeichnung von Jens Krömer auf einer Weltkarte zwischen den USA und Asien.

Warum viele Anleger das 70/30-Portfolio wählen

Deshalb hat sich über Jahre eine einfache Ergänzung etabliert: 70 % MSCI World, 30 % Emerging Markets. Die Idee dahinter: Industrieländer liefern Stabilität, Schwellenländer Wachstum. Dieses sogenannte Weltportfolio wird auch von vielen Finanzbloggern und ETF-Experten als solide Basisstrategie beschrieben.

Und ja: Das ist tatsächlich schon deutlich besser als nur ein einzelner MSCI-World-ETF. Aber selbst dieses Modell ist letztlich nur ein Kompromiss zwischen Einfachheit und echter Diversifikation.

Viele ETF-Verfechter entwickeln ihre Strategie weiter

Interessant ist: Selbst bekannte ETF-Vertreter haben ihre Portfolios im Laufe der Zeit angepasst. Finanzfluss-Gründer Thomas Kehl etwa hat immer wieder betont, wie wichtig weltweit diversifiziertes Investieren über ETFs ist und sieht diese Strategie langfristig als überlegen gegenüber Einzelaktien. 

Gleichzeitig zeigt sich bei vielen erfahrenen Investoren ein Muster: Mit zunehmender Erfahrung wird die regionale Diversifikation oft weiter verfeinert – etwa durch zusätzliche Europa-Gewichtung oder andere Regionen. Kürzlich hat Thomas Kehl sein 70/30-Depot um Europa ergänzt.

Das ist keine Abkehr von ETFs. Es ist eher der nächste logische Schritt: weg vom Produktdenken, hin zum Risikodenken.

Diversifikation bedeutet auch regionale Balance

Ein Punkt, der oft übersehen wird: Der MSCI World ist stark US-lastig. Wer nur auf diesen Index setzt, investiert stark in den amerikanischen Markt – insbesondere in große Technologieunternehmen. Das kann gut gehen (wie in den vergangenen Jahren). Muss es aber nicht (auch in Zukunft). Eine zusätzliche Europa-Komponente kann deshalb sinnvoll sein, nicht weil Europa automatisch besser läuft, sondern weil Abhängigkeiten reduziert werden.

Zugleich sollte man den Home Bias immer im Blick behalten und bloß nicht zu verliebt in Europa sein oder gar Deutschland. Die Musik spielt, meiner Meinung nach, eher in Asien.

Diversifikation bedeutet eben nicht: möglichst viele Aktien. Diversifikation bedeutet: möglichst viele unterschiedliche Risikofaktoren.

Warum ich trotz hoher Dividenden weiter bei ETFs bleibe

Gerade in Phasen höherer Zinsen wirken Einzelaktien mit 6, 7 oder sogar 8 Prozent Dividendenrendite sehr verlockend.

Das Problem: Hohe Dividenden sind keine Garantie für Stabilität. Oft spiegeln sie auch höhere Risiken wider. Einzelaktien bringen zusätzliche Herausforderungen: Unternehmensrisiko, Branchenrisiko, Timing-Risiko, emotionale Fehlentscheidungen.

Deshalb bleibe ich persönlich trotz solcher Verlockungen bei ETFs. Nicht, weil Einzelaktien grundsätzlich schlecht wären. Denn immerhin habe ich dort keine laufenden Kosten… Viel eher, weil ETFs ein Problem lösen, das viele Anleger unterschätzen: das Konzentrationsrisiko.

Der größte Vorteil von ETFs wird oft falsch verstanden

Der wichtigste Vorteil von ETFs ist nicht die Rendite. Es ist die Tatsache, dass man nicht auf einzelne Gewinner wetten muss. Während bei Einzelaktien immer die Frage ist, ob man die richtigen Unternehmen auswählt, setzt ein ETF darauf, dass sich die Weltwirtschaft insgesamt entwickelt. Das ist weniger spektakulär. Aber oft robuster.

Fazit: Diversifikation ist ein Prozess, kein Produkt

Ein MSCI World ETF ist ein guter Anfang. Ein 70/30-Portfolio ist oft der nächste Schritt. Aber echte Diversifikation endet nicht bei einer festen Formel. Sie entsteht durch die Frage: Wo könnten meine Risiken liegen, die ich heute noch nicht sehe?

Und manchmal bedeutet das auch, eine einfache Strategie behutsam weiterzuentwickeln – ohne gleich in komplizierte Konstruktionen oder spekulative Einzelwetten zu verfallen.

Denn gute Geldanlage bedeutet nicht, möglichst viel zu tun. Sondern vor allem, große Fehler zu vermeiden.

Wie sehen Sie das? Reicht Ihnen ein MSCI World ETF oder setzen Sie bewusst auf eine breitere Diversifikation? Schreiben Sie Ihre Gedanken gern in die Kommentare.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar, sondern persönliche Gedanken zur Struktur eines robusten Portfolios.

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