Autor: Jens Krömer

  • Wer ist Autor bei KI? Urheberschaft zwischen Recht, Forschung und Kommunikationsethik

    Als ich gelernt habe, Kommunikation zu verstehen, war die Welt noch relativ einfach: Es gab einen Sender, eine Botschaft und einen Empfänger. Dieses klassische Modell beruhte auf einer stillschweigenden Annahme: Hinter jeder Botschaft steht ein Mensch. Doch generative KI stellt diese Grundannahme seit einiger Zeit ernsthaft infrage. Wenn ein Text von einer Maschine erzeugt wird, verschwimmt die klassische Vorstellung von Autorschaft. Die Frage ist deshalb nicht nur technisch oder juristisch. Sie ist zutiefst philosophisch: Kann es Kommunikation ohne Autor geben – oder nur neue Formen von Autorschaft?

    Die Frage nach der Urheberschaft von KI-Texten wirkt zunächst wie ein Spezialproblem des Urheberrechts. Tatsächlich berührt sie jedoch einen Kern der Kommunikationswissenschaft und weiterer Disziplinen auch: die Frage, wer überhaupt als Absender von Kommunikation gelten kann.

    Bleistiftzeichnung von Jens Krömer, der über Urheberschaft und KI nachzudenken scheint
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  • Allianz-Aktien attraktiver als Allianz-Versicherungsprodukte? Eine Analyse von Rendite, Regulierung und Verbraucherinteressen

    Allianz Aktie vs Lebensversicherung, was ist besser? Dieser Vergleich zwischen Allianz Aktie und Lebensversicherung zeigt deutliche Unterschiede bei Rendite, Sicherheit und Regulierung.

    Als ich neulich wieder einmal mit dieser Finanz-Frage konfrontiert wurde, nahm ich mir vor, sie ein für allemal in meinem Blog zu beantworten. Hier das Ergebnis meiner Recherchen. Versicherer werben traditionell mit Sicherheit, Garantien und planbaren Erträgen. Gleichzeitig zahlen viele große Versicherungskonzerne – darunter die Allianz – ihren Aktionären seit Jahren deutlich höhere Renditen, als sie Kunden klassischer Lebens- und Rentenversicherungen garantieren. Das führt zu einer zugespitzten, aber legitimen Verbraucherfrage: Ist es finanziell rationaler, Aktionär eines Versicherers zu sein als Kunde seiner Sparprodukte?

    Ein Vergleich zwischen Allianz-Aktie und klassischen Kapitallebensversicherungen zeigt: Rein ökonomisch spricht vieles dafür, eher Miteigentümer des Unternehmens zu sein als ausschließlich Kunde seiner Sparprodukte.

    Vergleich Allianz Aktie und Allianz Versicherungsvertrag Illustration als Bleistiftzeichnung. Jens Krömer zwinkert dem Leser zu.
    Kunde oder Miteigentümer? Warum ich bei der Altersvorsorge beide Perspektiven einnehme

    Renditevergleich: Aktionär versus Versicherungskunde

    Dividendenrenditen der Allianz-Aktie

    Die Allianz gehört seit Jahren zu den stabilsten Dividendenzahlern im DAX. Für das Geschäftsjahr 2025 soll eine Dividende von 17,10 Euro je Aktie ausgeschüttet werden. Je nach Kurs ergibt sich daraus eine Dividendenrendite von etwa 4 bis 5 Prozent jährlich.

    Im langfristigen Durchschnitt ergibt sich eine Dividendenrendite von rund 4,9 Prozent (2015–2025). Bei jährlichen Steigerungen von etwa 8 bis 10 Prozent steigt damit für langfristige Investoren die effektive Rendite auf den ursprünglichen Kapitaleinsatz kontinuierlich an – ein Effekt, den klassische Versicherungsprodukte mit ihren festen Garantiezinsen strukturell kaum erreichen können.

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  • Der Wal und wir – über Mitgefühl, Medien und die Frage nach den richtigen Prioritäten

    Seit Tagen beherrscht ein Wal in der Ostsee die Schlagzeilen. Ein Fall, der Medienkritik geradezu provoziert. Nachrichtensendungen berichten in Sonderschalten, Zeitungen veröffentlichen Live-Ticker, Experten werden interviewt, Drohnenbilder analysiert. Ein gestrandeter Meeressäuger in der Ostsee – ein Ereignis, das zweifellos ungewöhnlich ist. Aber ist es auch ein Ereignis, das diese enorme mediale Aufmerksamkeit rechtfertigt? Diese Frage ist weniger eine Frage über einen Wal. Es ist eine Frage über uns.

    Denn während Kamerateams am Strand stehen, sterben anderswo Menschen in Kriegen, geraten Demokratien unter Druck, kämpfen Familien mit steigenden Lebenshaltungskosten oder mit ganz persönlichen Krisen.

    Kreidezeichnung eines nachdenklichen Mannes, der am Strand der Ostsee Zeitung liest, während im Hintergrund ein Wal im Wasser liegt, Schaulustige zusehen und ein Schlauchboot kreist – symbolische Darstellung von Medienkritik

    Natürlich kann man argumentieren: Die Welt besteht nicht nur aus Katastrophen. Menschen brauchen auch Geschichten, die berühren. Geschichten, die Mitgefühl auslösen. Geschichten, die uns daran erinnern, dass wir noch fühlen können.

    Aber vielleicht liegt genau hier das Problem.

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  • Eisbergmodell: Warum Konflikte selten an der Oberfläche entstehen

    Konflikte – ob privat oder im Beruf – erscheinen oft sachlich: Aussagen, Positionen, Zahlen und Fakten. Doch wer nur auf diese sichtbare Ebene schaut, sieht meist nur die Spitze des Eisbergs. Der größere Teil eines Konflikts liegt unter der Oberfläche – unsichtbar, unbewusst und dennoch wirksam. Genau hier setzt das Eisbergmodell der Kommunikation an.

    Als PR-Berater und ehrenamtlicher Schiedsmann in der außergerichtlichen Streitschlichtung gehört der professionelle Umgang mit solchen Dynamiken zu meiner täglichen Praxis. Die Theorie hilft mir, Verständnis für die Sichtweisen der Beteiligten zu schaffen und festgefahrene Positionen besser zu verstehen. Die Metapher geht unter anderem auf Ernest Hemingway zurück.

    Eisbergmodell: Mann steht am Bug eines Schiffes und zeigt auf einen Eisberg mit großem unsichtbaren Teil unter der Wasseroberfläche als Symbol für verborgene Konflikte. Als Bleistiftzeichnung.

    In der Kommunikationspsychologie wird sie häufig mit psychoanalytischen Ansätzen (u. a. Freud) verbunden. Das Modell wird zudem häufig mit dem Pareto-Prinzip verglichen.

    Sichtbar ist wenig – wirksam ist viel

    Die sichtbare Ebene umfasst das, was Menschen sagen oder tun: Verhalten, Argumente, Forderungen, teils auch Positionen. Dieser Teil macht jedoch nur einen kleinen Anteil der Kommunikation aus. Unter der Oberfläche liegen Erwartungen, Gefühle, Motive, Bedürfnisse, Werte, Ängste oder biografische Erfahrungen. Sie bestimmen, wie Menschen reagieren – oft ohne dass sie es selbst merken.

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  • Riester-Nachfolger: Warum Gutverdiener bei der neuen Altersvorsorge steuerlich verlieren könnten

    Riester-Nachfolger Altersvorsorgedepot: Die Bundesregierung plant einen grundlegenden Neustart der privaten Altersvorsorge. Die Riester-Rente soll ab 2027 faktisch durch ein neues Altersvorsorgedepot ersetzt werden. Heute berät der Bundestag darüber. Weniger Bürokratie, mehr Kapitalmarkt, geringere Kosten – so lautet das politische Versprechen. Doch während die öffentliche Diskussion vor allem die Vorteile für Geringverdiener hervorhebt, zeigt ein genauer Blick auf die steuerliche Konstruktion ein differenzierteres Bild: Für Gutverdiener könnte die Reform durchaus an Attraktivität verlieren. Der Grund liegt weniger in der Höhe der Förderung als in ihrer Systematik.

    Illustration zur Riester-Reform: Vergleich von ETF, Riester-Rente und neuem Altersvorsorgedepot

    Altersvorsorgedepot: Einfacher aufgebaut – anders gewichtet

    Das neue Vorsorgedepot soll zentrale Schwächen der Riester-Rente beseitigen. Geplant sind niedrigere Produktkosten, eine stärkere Ausrichtung auf Wertpapieranlagen und ein vereinfachtes Fördersystem. Zudem soll der Zugang für Selbstständige erleichtert werden.

    Die Förderung verschiebt sich dabei deutlich in Richtung Zulagen. Kleinere Sparbeiträge sollen prozentual stärker unterstützt werden als bisher. Politisch ist das gewollt: Die staatliche Förderung soll breiter wirken und weniger stark an das Einkommen gekoppelt sein.

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  • Ein ETF reicht nicht: Warum Diversifikation mehr ist als MSCI World

    Der MSCI World ETF gilt für viele Privatanleger als der heilige Gral der Geldanlage: einmal investieren, liegen lassen, fertig. So einfach ist es aber nicht. Denn wer genauer hinschaut, merkt schnell: Der MSCI World ist zwar breit aufgestellt – aber eben nicht wirklich global diversifiziert.

    Um Diversifikation mit dem MSCI World zu erreichen, muss man keinen Spagat machen. Bleistiftzeichnung von Jens Krömer auf einer Weltkarte zwischen den USA und Asien.

    Warum viele Anleger das 70/30-Portfolio wählen

    Deshalb hat sich über Jahre eine einfache Ergänzung etabliert: 70 % MSCI World, 30 % Emerging Markets. Die Idee dahinter: Industrieländer liefern Stabilität, Schwellenländer Wachstum. Dieses sogenannte Weltportfolio wird auch von vielen Finanzbloggern und ETF-Experten als solide Basisstrategie beschrieben.

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  • Welche Skills Kommunikatoren heute wirklich brauchen – jenseits der Stellenanzeigen

    Wenn man aktuelle Stellenanzeigen in der Kommunikation liest, entsteht ein klares Bild: Gesucht werden eierlegende Wollmilchsäue. Strategisch denkend, digital versiert, KI-affin, krisenfest, empathisch, durchsetzungsstark, international erfahren – und bitte mit zehn Jahren Berufserfahrung für eine Position, die es erst seit fünf Jahren gibt.

    Doch die spannendere Frage ist vielleicht gar nicht, welche Skills in Anzeigen stehen. Sondern welche Fähigkeiten im Alltag wirklich den Unterschied machen.

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  • 10.000 protestieren für höheres Apotheken-Honorar auf dem Burgplatz in Düsseldorf

    Was für ein Apothekenprotest in Düsseldorf: Dass den Apotheken wirtschaftlich das Wasser bis zum Hals steht, hat Moderator Sebastian Berges auf der Bühne mehrfach gesagt. Dass sich aber tatsächlich rund 10.000 Menschen aus Apothekenteams auf dem Düsseldorfer Burgplatz versammelt haben, war sicher selbst für den Vize-Vorsitzenden des Apothekerverbandes Nordrhein ein beeindruckendes Bild. Besser als erwartet.

    Apothekenprotest Düsseldorf: Mehr als 10.000 Menschen protestierten friedlich für besseres Honorar. Bleistiftzeichnung von der Situation, mit dem Düsseldorfer Fernsehturm im Hintergrund

    Weiße Kittel, Trillerpfeifen und klare Botschaften auf Plakaten: Das war kein symbolischer Protest. Das war eine sehr konkrete Botschaft nach Berlin.

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  • Seminar im Hotel Kloster Haydau in Morschen: Tagung, wo Geschichte auf Gastfreundschaft trifft

    Als der Regionalzug auf dem Weg ins Tagungshotel Kloster Haydau langsam durch die nordhessische Landschaft rollt, wird der Alltag plötzlich leiser. Die Fulda schlängelt sich durch ihr Bett, Hügel, Felder und Fachwerk rauschen vorbei – und dann der kleine Bahnhof Altmorschen. Kein Großstadtlärm, kein Stress. Stattdessen ein paar Minuten Fußweg durch den Ort, vorbei an historischen Gebäuden – und schließlich, nach einer Rechtskurve öffnet sich der Blick auf das ehemalige Kloster Haydau. Dicke Klostermauern verbunden mit geradliniger Architektur, Geschichte und Gastfreundschaft. Herrlich!

    Bleistiftzeichnung Bahnhof Altmorschen nahe Tagungshotel Kloster Haydau Morschen

    Schon bei der Anreise wurde klar: Dieses Wochenende würde anders werden als viele andere Seminare in anonymen Tagungshotels. Und das Beste daran: Das Hotel Kloster Haydau liegt geografisch fast genau in der Mitte Deutschlands.

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  • Olympia in Dortmund: Der Bürgerentscheid ist mehr als eine Frage des Sports und der Finanzen

    Eine Entscheidung über das Selbstbild unserer Stadt: Manche Entscheidungen sind keine reinen Sachfragen. Sie sind Richtungsentscheidungen. Der Ratsbürgerentscheid über die Beteiligung Dortmunds an einer möglichen Olympia-Bewerbung der Rhein-Ruhr-Region gehört aus meiner Sicht genau in diese Kategorie.

    Formal geht es um die Frage, ob sich Dortmund an einer Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele beteiligt. Tatsächlich geht es aber um weit: um das Selbstverständnis unserer Stadt, irgendwo zwischen Strukturwandel und Alltag, auch um wirtschaftliche Perspektiven, internationale Sichtbarkeit und die Frage, wie viel Gestaltungswillen wir aufbringen möchten. Deshalb möchte ich Sie mit diesem Beitrag überzeugen, bei dieser Frage aus voller Überzeugung mit JA zu stimmen.

    Olympia Dortmund Bürgerentscheid: Bleistiftzeichnung von Jens Krömer mit Daumen hoch
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